Valle di Muggio, 6. – 8. Juni 2026
Die Reise in’s Südtessin hat für mich eine Premiere dabei. Ich fahre das 1. Mal durch den neuen Tunnel. Ich war ja wirklich schon lange nicht mehr im Tessin. Nun, viel anders als im Lötschberg ist es nicht. Dauert halt etwas länger. Im Norden bei Sonne eingefahren, ist es in der Leventina verhangen und regnet. Nach dem Ceneri sieht es aber schon freundlicher aus. In der S-Bahn ab Lugano finden die verschiedenen Reisegruppen zusammen und in Balerna wartet noch Silvia auf uns.
Nach einem kurzen Aufstieg im Dorf tauchen wir wieder hinunter in das Tal der Breggia, die das Valle di Muggio entwässert. Welcher Kontrast zum vom Verkehr geplagten Mendrisiotto.
Nach dem ‚lost place‘ einer ehemaligen Zementfabrik queren wir bald den tief unter uns liegenden Bach und steigen nun immer auf der östlichen Seite gemächlich das Tal hinauf. Beim Mulino di Bruzella machen wir einen Mittagshalt mit Tischen und Stühlen. Für den weiteren Weg steht eine direktere Variante oder eine mit Caffé im Dorf Muggio zur Diskussion. Der Caffé erweist sich allerdings als Chiuso wegen Ferien. So gibt es halt eine Rast unter Kastanienbäumen.
Noch haben wir nicht die Hälfte der Höhe gemacht und so bleiben uns 600 Hm bis zum Rifugio Prabello grad ennet der Grenze in Italien. Von hier aus geht der Blick zum Monte Generoso hinüber und nördlich ist ein Stück vom Comersee zu sehen.
------
Das Frühstück ist landestypisch knapp. Heisst ja auch piccola collazione. Nach wenigen Metern sind wir wieder in der Schweiz und beginnen mit einem lang gezogenen Abstieg in den Talgrund der Val dala Crota. Die Gegend hier um den Sasso Gordona wäre eigentlich bekannt für wilde Pfingstrosen. Da sind wir aber schon etwas zu spät im Jahr.
Nach einer unbeabsichtigten Abkürzung geraten wir in die falsche Richtung und müssen ein Stück zurückgehen, bis wir beim mit Moos überwachsenen Feengarten eine Rast machen. Gleich daneben im Bach wäre eine prächtige Wanne zum Baden.
Nach einem flachen Teerstück talauswärts schwenken wir auf den Weg zur Alpe die Loasa. Das stattliche Gebäude in einem steilen Hang sollte vor gut 40 Jahren von einer Gruppe aus der Deutschschweiz für Kurse oder ähnliches reaktiviert werden. Ich war damals auch einige Mal dort zum mithelfen. Heute beherbergt es noch einen kleinen Alpbetrieb. Der Nevere vor dem Haus ist schön restauriert. Dieser ausgemauerte Schacht mit einem Dach darüber wurde früher im Winter mit Schnee gefüllt und dann bis in den Sommer als natürlicher Kühlschrank genutzt.
Statt von der Sella Cavazza direkt abzusteigen, machen wir einen Abstecher nach Italien zum Monte Bisbino. War es damals noch ein Trampelpfad, wo man durch einen rostigen Grenzzaun schlüpfen musste, ist es heute als Schweizer Wanderweg markiert. Vom Gipfel hat man ein prächtige Aussicht nach Como hinunter und Richtung Mailand. Bei ganz klarer Sicht sollte man sogar den Mailänder Dom sehen können. Diesmal klappt es mit dem Ristorante, wo sich jeder nach Gusto mit Gelato, Caffé oder Flüssigem erfrischt.
Nach einem langen Abstieg führt uns Res in Sagno zielsicher zur Osteria, wo die Wirtin jeden persönlich begrüsst. Allen steht der Sinn zuerst nach Duschen und so finden wir uns nach und nach im schattigen Hof ein. Zum Nachtessen gibt es eine feine, überbackene Polenta, Merlot aus der Gegend und wir bleiben noch bis zum Schlafengehen gemütlich sitzen.
-------
Drei verschiedene Postautolinien bringen uns heute auf die andere Talseite des Mendrisiotto nach Arzo. Etwas ausserhalb des Dorfes war bis vor einigen Jahren noch ein Marmorsteinbruch in Betrieb. Am Weg wird auf Tafeln erklärt, wie der Marmor blockweise aus dem Berg geschnitten und wo er verbaut wurde. Der grosse Kran und einige Gleisstücke einer Feldbahn sind auch noch vorhanden.
Wir sind heutlich deutlich tiefer und die Luft ist spürbar feuchter, was einem den Schweiss aus den Poren treibt, obwohl der Weg eigentlich moderat steigt. Auf dem Poncione d’Arzo sind die 500 Hm geschafft und wir gehen noch eine Stück geradeaus weiter zum Monte Pravello, von wo die verschiedene Arme des Lago di Lugano überblickt werden können. Gerade richtig für die Mittagpause.
Ein steiler Zickzackweg entlang der Grenze führt uns zuerst Richtung Porto Ceresio und dann durch schattige Laubwälder wieder auf die Ostseite des Bergs. Unterwegs gibt es nochmals Industriearchäologie bei einer ehemaligen Teermine. Auf der Schautafel erkenne ich gleich die hellbraune Tube mit der schwarzen Teersalbe aus der Militärapotheke. Erinnerungen an J+S Lager ebenfalls etwa vor 40 Jahren.
In Meride ist das Wanderziel erreicht. Da die Osteria vor der Zimmerstunde grad noch offen hat, ist schnell entschieden, erst das Postauto um 15 Uhr zu nehmen. So können wir die drei schönen Wandertage bei Birra locale oder Gazosa gemütlich ausklingen lassen.
Herzlichen Dank, Res, für diese abwechslungsreiche Tour an der Südspitze der Schweiz.
Matthias
Teilnehmer: Res (TL), Karin, Silvia, Daniela, Reinhard, Fränzi, Thomas, Peter, Hanspeter, Matthias



