Skitourenwoche Bivio, 02. – 07.03.2026
Die Vorfreude auf unsere Skitourenwoche am Julierpass ist gross, denn es liegt genügend Schnee und die Wetterkarten zeigen ab dem zweiten Tag Sonnenschein an. Die Co-Tourenleiter Hans Peter und Res haben für uns das Hotel Gidon in Bivio gewählt, wo wir in zwei Ferienwohnungen und einem Dreierzimmer logieren. Im Halbpensionpreis ist sogar die Bergbahnkarte inkludiert. Das Personal ist sehr freundlich und spricht vorwiegend italienisch, was dem Aufenthalt eine gewisse Italianità verleiht.
Montag, 02.03.2026, La Motta 2166m
Heute und morgen Di sind wir zu acht unterwegs. Wir treffen uns in Chur und fahren gemeinsam mit dem Postauto nach Bivio 1770m. Die Unterkunft liegt unweit der Bushaltestelle. La Chef erwartet uns zur Begrüssung und verteilt die Zimmer- bzw. Wohnungsschlüssel.
Bald sind wir mit unseren persönlichen Skiabos am Lift und lassen uns den Berg hochziehen. Der Himmel ist grau verhangen, die Sonne zeichnet sich durch den Nebel ab. Ob sich das Wetter wohl bessert oder eben nicht? Wir machen all in. Also alle zur Suppe ins Bergbeizli. Nach der Verpflegung bemerken wir, dass wir falsch gepokert haben. Die obere Liftsektion ist lang und bringt uns in eine dicke Wolke.
Vorab auf der Piste später in leicht geneigten Hängen fahren wir ins Tgavretga-Tal hinab. Der Aufstieg zum La Motta 2166m in ca. 40' bietet einen Material- aber keinen Konditionstest. Der Einstieg in die STW bei den herrschenden Bedingungen und als Halbtagestour ist aber trotzdem gelungen. Auf der Abfahrt nach Bivio lassen wir es sausen. Danach machen wir eine zweite Liftrunde mit Variantenabfahrt in fast unverspurten Hängen.
Hanspeter
Dienstag, 03.03.2026, Piz dal Sasc 2720m
Um acht Uhr startet unser Tross mit geschulterten Skiern ans andere Dorfende. Gemächlich fellen wir in dem von gestern bekannten Tgavretga taleinwärts. Der Tourenleiter Hans Peter zieht eine neue Spur über Alpagela in Richtung Lunghinpass. Noch unterhalb dieses Übergangs zum Engadin geht's rechts/südlich weg zum Sasc. Nach vier Stunden des Aufstiegs bei heiterem Himmel und Sonnenschein wird gegenseitig für die vollbrachte Leistung gratuliert. Im Bergell und Oberengadin versperren Quellwolken die Weitsicht.
Beim Aufstieg habe ich die keuschen Gipfelhänge für eine allfällige Direktabfahrt studiert. Für diesen nordseitigen Abschnitt übernehme ich die Verantwortung und fahre los. Vorerst ein moderat steiler Pulverhang zum jauchzen, dann folgt ein kurzes Steilstück zwischen Felsen, was meiner Meinung nach die heikelste Passage bei 'Erheblich-' darstellt. Alles gut, wir können zur Aufstiegsroute queren und über die eher flachen Hänge weiter abfahren. Doch da winkt doch noch ein für sich isolierter gelber Hang (30°+) zur Abfahrt. Ich schwinge die 100m runter und fahre ins Flache zu einem Wumm. Ich beobachte meine ersten beiden Verfolger im oberen Hangteil auf der instabilen Unterlage turnend. Diese stürzen, werden aber nicht verschüttet. Die abgerutschten Schneemassen sind langsam unterwegs und erreichen mich am Hangfuss nicht. Wir samneln uns und fahren gemeinsam weiter bis Pt. 2473 ab.
Für Nimmermüde winkt noch der Aufstieg zum Motta da Sett 2637m mit seiner schönen Ostflanke. Die Abfahrt zur Talstation Tua-Lift ist schnell vollbracht. Eine Runde im Pistenbereich mit Einkehr schliesst den Skitag ab. Zum Nachtessen stossen die restlichen fünf Teilnehmer zu uns.
Hanspeter
Mittwoch, 04.03.2026, Piz Scalotta 2991m
Das Wetter diesen Morgen war nicht zu toppen - bereits frühlingshafte Temperaturen und kaum Wind. Am Start, um 08.00 Uhr ab Bivio, fand sich die ganze Schar ein. Wir teilten uns wiederum in zwei Gruppen auf, in «Ambitioniert» und «Slow». Der Aufstieg führte uns über die übliche Skitourenroute «Piz Scalotta» zuerst via den Alpweg «Radons», zuerst mässig, dann eher steiler südöstlich des Crap da Radons vorbei. Die Sonne hatte bereits fast allen Schnee an den Südostflanken des Crap weggeschmolzen und wir konnten bereits die ersten stattlichen Vertreter der beiden Bünder Tourismus-Wappentiere «Gian» und «Giachen» aus der Ferne beobachten.
Die Erhöhung des Crap da Radons rechts liegen lassend, passierten wir den sanften Geländesattel. Nach einer kurzen Trinkpause stiegen wir weiter auf, uns etwas links des Tälchens Val Gronda haltend (Pt 2643) und weiter auf div. Geländerücken (aktuelle Lawinensituation). Auf ca. 2900 m gings aufgrund des relativ gut mit Schnee überdeckten Schutt- und Gipfelhanges gar mit den Skis hinauf bis ca. 20 m unterhalb des felsigen Gipfels, wo dann die Skis gut deponiert werden konnten. Einige Schritte und der Gipfel des Piz Scalotta 2991m war erreicht. Mittagsrast. Einen traumhaften Rund- und Fernblick durften wir geniessen, wie z.B. Richtung D’Err-Gruppe im Osten, den Piz Güglia im Südosten, zum Piz Lagrev und Grevasalvas im Süden und im Nordwesten zum markanten Piz Platta – einfach genial!
Angesichts der vorgerückten Tageszeit und für einen noch besseren Abfahrtsgenuss «bliesen» die TL zur baldigen Abfahrt. Diese folgte im oberen Teil mehrheitlich der Aufstiegsroute bis westlich des Crap da Radons, diesen links liegen lassend in das sanfte Tal, mit Blick Richtung Lai da Marmorera und Stalveder. Teilweise trafen wir gar noch Pulverschneehänge und dann einige nicht zu vermeidende Bruchharschpartien an. Bald endete die Abfahrt an der Postautohaltestelle Stalveder.
Recht herzlichen Dank auch vom Berichterstatter an unsere Tourenleiter und an Markus als stets sehr zuverlässigen Schlussmann, der alle «abdriftenden» Abfahrer:Innen immer im Auge behielt :-)!
NB: Die heutige Tour führte uns durch div. geologisch interessante Gesteinsschichten der Erdgeschichte, über basaltische und Sediment-Gesteine der Epochen der Jura-, der Triaszeit und metamorphe (umgewandelte) Gesteine des Erdzeitalters Karbon – also Zeiträume vor 145 bis 323 Millionen Jahre zurück (s.a. Geologische Karten von «Swisstopo» und der Homepage «Geologie» der ETH Zürich). Einzigartig ist hier, dass sich eine so vielfältige Gesteinsabfolge innerhalb eines so kleinen Raumes unseres Planeten dem Beobachter bietet. Mit ein Grund, warum der Parc Ela gegründet wurde.
Thomas Mü.
Donnerstag, 05.03.2026, La Veduta – Piz Campagnung 2825m / Pt. 3001m
Nach entspanntem Einstieg in den Tag und gut gestärkt durch das Frühstücksbuffet, das für alle etwas bietet, geht es mit dem Taxi Jäger, um halb neun im GTI-Modus Richtung Julierpass. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den ESV RhW für die Übernahme der Taxikosten. Vorgesehen ist eine Rundtour von La Veduta hoch zum Piz Campagnung sowie seinem Nachbargipfel Pt. 3001 müM. und via Val Natons zurück nach Bivio.
Es ist der letzte Tag mit allen 13 Teilnehmenden. Wiederum bilden sich im Aufstieg ab dem Parkplatz La Veduta zwei Gruppen. Der erste Abschnitt im Val d’Agnel ist noch eher flach und den einen vom Zustieg in die Jenatsch-Hütte bekannt. Während die erste Gruppe mit Res und Hans Peter sich über das halbseitig schneebedeckte Brückchen wagt, quert die Gruppe von Hanspeter den Bach etwas weiter oben. An den östlich ausgerichteten Hängen sind in den Tagen zuvor diverse Schneebretter abgegangen. Ab dem Punkt 2538 müM. wird der Aufstieg steiler und die ersten Spitzkehren erforderlich. Die erste Gruppe biegt beim Sattel 2782 müM. links ab zum Piz Campagnung. Die zweite Gruppe entscheidet sich für den Schlenker nach rechts und steigt den südausgerichteten, noch ausreichend eingeschneiten Rücken hoch zum Punkt 3001 müM. Sprachlich albern wir etwas rum: der Punkt, die Bergspitze oder das Dach der heutigen Tour? Wir geniessen das Gendern und das Panorama bei Sonnenschein, der zunehmend vom Saharastaub eingetrübt wird.
Kurz nach zwölf Uhr sind beide Gruppen auf dem Punkt 3001 müM. wieder vereint und sich einig, dass der Rundblick auf zig Bündner Gipfel deutlich schöner ist als der Ausblick durch das Val Natons abfahren zu wollen. Grosse Schneebretter sind bereits abgegangen und noch sind kritische Hänge geladen. Die Tourenplanung wird den Gegebenheiten angepasst und die Abfahrt entlang der Aufstiegsroute zurück nach La Veduta beschlossen.
Nach einem Gruppenfoto mit allen macht sich die Gruppe von Hanspeter nun an den Abstieg, der für die meisten auch einen Abstecher zum Piz Campagnung beinhaltet. Ab dem Sattel 2782 müM. geht es dann gemeinsam weiter. Beim Parkplatz La Veduta schultern wir kurz die Skier und gehen entlang der Passstrasse ins Ospizio hoch. Es ist ausreichend Zeit für ein Glas und ein Stück Kuchen im Gasthaus, bis uns das Postauto um 15.37 zusammen mit weiteren Skitourengängern nach Bivio zurückfährt. Im Wildschutzgebiet nördlich der Strasse sind auf aperen Stellen und in Rinnen Futter suchende Steinböcke zu sehen. Ein weiterer schöner Tag klingt bei Gesprächen, Abendessen und Spielen im Hotel Guidon aus.
Besten Dank an alle,
Thomas Me.
Freitag, 06.03.2026, Uf da Flüe 2775 m und Piz Surpare 3078 m
Am heutigen Tag feiert Hanni ihren Geburtstag – und wie könnte man diesen besser verbringen als auf einer Skitour? Auf unserem Plan steht die Rundtour «Sur al Cant», «Uf da Flüe» und allenfalls «Piz Surparé». Doch wie so oft in den Bergen kommt es ein wenig anders.
Nach dem Frühstück treffen wir uns um 8:45 Uhr vor dem Hotel und schlendern gemeinsam zur Talstation. Die ersten knapp 800 Höhenmeter lassen wir uns bequem von den Schleppliften ab-nehmen, bevor wir oben die Felle montieren und den Spuren Richtung «Sur al Cant» folgen.
Schon nach kurzer Zeit stehen wir an einer Stelle, an der Hans Peter und Hanspeter aufgrund einer etwas anspruchsvolleren Passage kurzerhand einen neuen Plan schmieden: «Sur al Cant» entfällt und wir gehen direkt zum «Uf da Flüe». Wir nehmen die Felle wieder vom Ski und fahren den ersten kurzen Hang Richtung Leg Columban runter.
Auf der Ebene etwas vor beziehungsweise unterhalb des Sees fellen wir wieder auf und laufen in zwei Gruppen zur «Fuorcla da la Valletta». Der angekündigte Saharastaub trübt heute die Sicht etwas.
Auf dem Sattel entlang laufen wir dem Gipfel «Uf da Flüe» entgegen und erreichen ihn nach knapp 1.5 Stunden Aufstieg. Alle nehmen die Gratulationen entgegen, stillen Durst und Hunger und lassen den Blick über die dunstigen Berge schweifen.
Zu sechst brechen wir auf, um im besten Fall noch den Gipfel «Piz Surpare» zu erklimmen. Optimistisch ziehen wir wunderbare Schwünge Richtung Stallerberg. Die anderen der Gruppe verweilen währenddessen noch etwas auf dem Gipfel.
Bei Stallerberg angekommen, rüsten wir wieder auf die Felle um und steigen in der prallen Nachmittagssonne schwitzend dem «Piz Surparé» entgegen. Unterhalb des letzten Stücks machen wir eine kurze Rast und Hanspeter beurteilt die Situation: wir können hoch zum Gipfel! Das kurze, steile Stück fordert noch einmal Schweiss und Energie. Auf dem «Bödeli» machen wir das Skidepot und bewältigen die letzten paar Höhenmeter zu Fuss. Wir freuen uns über den gelungenen Aufstieg und das prächtige Bergpanorama. Ohne Wind verweilen und geniessen wir einige Minuten auf dem von Blocksteinen durchsetztem Gipfel und Sabina verewigt uns noch im Gipfelbuch.
Zurück beim Skidepot machen wir uns bereit für die Abfahrt, wo wir etwas weiter unten auf die Anderen treffen. Ab hier ist die Gruppe wieder vereint und wir fahren gemeinsam zurück nach Bivio. Im Caffè Roccabella stossen wir auf die heutige Tour und auf Hannis Geburtstag an – ein würdiger Abschluss eines gelungenen Tourentages. Danke Thomas Müller für die spendierte Runde.
Und herzlichen Dank Hans Peter und Hanspeter für den grossartigen Tag und die umsichtige Tourenplanung.
Silvana
Samstag, 07.03.2026, Rocabella 2731m
Nach dem Zmorge heisst es auschecken und das Gepäck im Skiraum deponieren. Zu Fuss geht es durchs Dorf, bis wir bei Curtegnatsch die Skier anschnallen und ins Tgavretga-Tal aufbrechen. Schon bald zieht die Spur an und führt uns hinauf in die schöne, hügelige Landschaft von Emmat. Vor dem Schlussaufstieg Richtung Roccabella gibt es noch eine willkommene Tenu-Erleichterung. Abgesehen vom stellenweisen kalten Wind ist es erstaunlich warm.
Auf 2731 m ü. M. geniessen wir die Rundsicht auf die Touren und Gipfel der letzten Tage und auf Bivio. Die Sicht ist wieder etwas klarer als am Vortag, auch wenn der Saharastaub immer noch in der Luft hängt. Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns bereit für die Abfahrt. Oben ist der Schnee noch etwas hart und ruppig, doch schon bald finden wir weichere Hänge und ziehen unsere Schwünge talwärts.
Einige lassen es sich nicht nehmen und fahren mit dem Skilift noch einmal zum obersten Punkt des Skigebiets und geniessen die schönen Pisten. Die anderen queren den Hang direkt Richtung Dorf. Schliesslich treffen wir uns alle wieder im Café zu einem letzten gemeinsamen Umtrunk. Wir holen unser Gepäck im Hotel und fahren mit dem Postauto heimwärts.
Wir blicken auf eine tolle und unfallfreie Skitourenwoche zurück. Ein herzliches Dankeschön an Hans Peter und Res für die Organisation und die umsichtige Tourenleitung. Danke auch an Hanspeter für die grosse Unterstützung als Tourenleiter, allen Spendern einer Getränkerunde und natürlich an alle für die angenehme und kameradschaftliche Gesellschaft.
Sabina
Teilnehmer:innen: Hans Peter H., Res S., Hanspeter B., Hanni L., Karin S., Markus G., Monika R., Silvana R., Susanne B., Fränzi D., Thomas Mü., Thomas Me., Sabina B.



