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16. - 18. Juli 2026 - Via Alta Crio Etappe 4

Das tapfere Schneiderlein brauchte bekanntlich nur eine Fliegenklatsche und einen guten Marketing-Slogan, um sich mit "Sieben auf einen Streich" einen Namen zu machen. Dabei hatte es lediglich sieben Fliegen erschlagen, die sich unvorsichtigerweise auf seinem Gomfibrot niedergelassen hatten. Wir hatten es an der Etappe 4 der Via Alta Crio deutlich schwerer: Statt lästiger Insekten warteten sieben Dreitausender darauf, erkraxelt zu werden, und statt eines Gürtels mit stolzer Aufschrift blieben uns schwere Beine und ein Grinsen im Gesicht. Doch am Ende des Tages konnten auch wir, ganz ohne Übertreibung im Titel, zu Recht behaupten: sieben auf einen Streich – wenn auch mit deutlich mehr Schweiss und Schnaufpausen als unser literarisches Vorbild :-)

Do 16.7.26: Anreise und Aufstieg von Dandrio zum Bivacco della Parete

Ein Teil der Gruppe trifft sich in Bellinzona in der S-Bahn. In Biasca steigen wir aufs Taxi um, das in Malvaglia noch zwei weitere Teilnehmende aufnimmt, bevor es ins schöne Tessiner Dörfchen Dandrio geht. Nach einer Stärkung mit feiner Torta di pane wandern wir durchs Dorf hinaus und schon bald geht es stetig aufwärts – bei sommerlicher Hitze eine schweisstreibende Angelegenheit. Zwei Pausen gönnen wir uns unterwegs, die zweite auf der Alpe di Piotta vor einem schön renovierten Alphäuschen. Etwas ausgesetzter führt der blau-weiss markierte Weg weiter zum Bivacco della Parete. Kaum haben wir die 1640 Höhenmeter geschafft, setzt der Regen ein.

Das relativ neue Biwak mit seinen 12 Betten und der gut eingerichteten Küche begeistert uns alle. Bei einem Getränk und einem feinen Drei-Gang-Menu (herzlichen Dank an Judith für die fein vorgekochte Bolognese-Sauce!) geniessen wir das fantastische Bergpanorama durch das grosse Fenster. Für Erheiterung und Kopfschütteln sorgt das "Wunschbuch", in dem einige Besucher Anliegen hinterlassen haben, die so gar nicht zu einem Biwak passen wollen. Da trifft der Spruch "Arroganz ist die Perücke geistiger Kahlheit" den Nagel auf den Kopf.

Fr 17.7.26: Die grosse Gratüberschreitung – sieben 3000er an einem Tag

Um 5 Uhr heisst es aufstehen. Der Regen der Nacht hat aufgehört, und obwohl der Radar für 6 bis 9 Uhr weiteren Niederschlag ankündigt, wird der Himmel draussen zusehends heller: Von Regen keine Spur. Nach dem Zmorge und dem Aufräumen der Hütte wandern wir los, und das Wetter zeigt sich den ganzen Tag von seiner allerbesten Seite.

Wir steigen zum Grat auf, die Kraxelei beginnt gleich mit dem berühmten "Sprung" – die meisten entscheiden sich für die kriechende Variante darüber. Der erste "Streich" ist mit 3161 m ü. M. die Cima Rossa, gefolgt vom Piz Piotta auf 3121 m ü. M. Den Puntone della Parete umgehen wir unterhalb des Grats durch die Westflanke, da es oben zu zackig wäre. Es hat wunderschöne Steinplatten, die der eine oder die andere am liebsten gleich für den heimischen Garten einpacken würde. Ein Bartgeier zieht ganz nah über uns und entlang der Felsbänder seine Bahnen.

Auf dem Passo di Giumello gönnen wir uns eine Pause, bevor es leicht abwärts und in einem Bogen wieder hoch zum Puntone dei Fraciòn auf 3202 m ü. M. geht. Beim Zmittag geniessen wir die grandiose Aussicht Richtung Berninagebiet, ins Calancatal sowie zu den Urner, Berner und Walliser Gipfeln. Darunter sind auch einige, die wir schon gemeinsam erklommen haben. Vorbei an den schwindenden Ghiacciai und über den Zapportpass geht es weiter dem Grat entlang zum Rheinquellhorn auf 3200 m ü. M., wo sich nun auch die Sicht auf das Rheinwaldhorn öffnet. In kurzer Folge reihen wir noch den Vogelberg (mit 3217 m ü. M. der höchste Punkt des Tages), den Pizzo Cramorino (3133 m ü. M.) und den Pizzo Baratin (3036 m ü. M.) an.

Der Abstieg zieht sich durch Geröll und zunehmend grüne Wiesen, in einer Schlaufe zur Alpe Cardedo und weiter zur Capanna Quarnei. Mit 1250 Höhenmetern Aufstieg und 2000 Höhenmetern Abstieg in den Beinen sind wir froh, die Hütte zu erreichen. Die feinen Pizzoccheri füllen unseren Speicher wieder auf, der Hüttenwart ist ein ausgezeichneter Gastgeber, und wir fallen bald müde und glücklich ins Bett.

Sa 18.7.26: Höhenweg von der Capanna Quarnei nach Dègro und Rückreise

Um 7 Uhr stärken wir uns mit dem Zmorge, bevor wir Richtung Alpe di Quarnei aufbrechen. Auf dem Höhenweg über Alpe di Sceru, Prato di Cüm und Monda werfen wir immer wieder einen Blick zurück auf unsere gestrige Route. Auch das Biwak ist noch zu erkennen, wie es über dem Wasserfall thront. Zwei kreisende Adler und vorbeischwebende Bartgeier gibt es ebenfalls zu bestaunen. Die 340 Höhenmeter Aufstieg und 1040 Höhenmeter Abstieg sind schnell geschafft. In Dègro verpflegen wir uns im Restaurant mit toller Aussicht und fahren anschliessend mit der Gondelbahn ins Tal nach Malvaglia hinunter. Dort trennen sich unsere Wege: Ein Teil fährt mit dem Bus Richtung Passo del Lucomagno weiter, der andere Teil südwärts Richtung Biasca.

Herzlichen Dank Hanspeter für die Leitung dieser wunderschönen, erlebnisreichen Tour! Sie wird uns allen in bester Erinnerung bleiben.

Am Ende blieb uns zwar kein bestickter Gürtel wie dem tapferen Schneiderlein, dafür aber sieben Gipfel und eine Geschichte, die sich mindestens ebenso stolz erzählen lässt – auch ganz ohne Riesen und Einhörner.

Teilnehmende: Hanspeter (TL), Walter, Michael, Tin, Georg, Hanni, Monika, Sabina.

Eisenbahner Sportverein Rheintal-Walensee

Erwin Noser, Neuwingertstrasse 3, 8458 Dorf
Telefon 079 519 49 23 | E-Mail

 
 

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