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Klettersteig Pinut – Hoch hinaus auf historischen Eisenwegen - 12. Oktober 2025

Kaiserwetter statt Herbstdepression

Wer im Oktober noch einen Klettersteig ausschreibt, braucht entweder eine gehörige Portion Optimismus, gute Beziehungen zu Petrus oder schlicht etwas Mut. Unsere Tourenleiterin Sabina hatte offenbar von allem ein bisschen. Ihre anfänglichen Bedenken, ob sich ein Klettersteig so spät im Jahr überhaupt noch durchführen liesse, erwiesen sich jedenfalls als völlig unbegründet. Petrus zeigte sich von seiner allerbesten Seite und servierte uns Kaiserwetter vom Feinsten. So lässt sich der Herbst doch geniessen!

Pünktlich versammelte sich unsere siebenköpfige, hochmotivierte Klettertruppe in Fidaz bei der Talstation der Milchseilbahn. Diese technische Meisterleistung hätte uns zwar einiges an Höhenmetern ersparen können, doch erstens war sie am Montag ohnehin ausser Betrieb und zweitens: Wer nimmt schon die Seilbahn, wenn man sich stattdessen freiwillig an einer senkrechten Felswand hocharbeiten kann? Eben!

Unser Tagesziel war der Klettersteig Pinut, seines Zeichens angeblich der älteste noch regelmässig begangene Klettersteig der Schweiz. Bereits im 18. Jahrhundert nutzten die Älpler diesen abenteuerlichen Weg, um ihre Pinutweiden zu bewirtschaften. Was damals vermutlich eher unter «notwendiger Arbeitsweg» lief, entwickelte sich mit dem aufkommenden Tourismus zum spektakulären Freizeitvergnügen. Die einen mussten da hoch, wir wollten da hoch. So ändern sich die Zeiten!

Der Zustieg durch den herbstlichen Wald war rasch geschafft. Nun hiess es: Klettergurt anziehen, Helm aufsetzen, Karabiner einhängen und den inneren Schweinehund vorsichtshalber im Tal zurücklassen.

Schon die erste Etappe hatte es optisch in sich. Über zahlreiche eiserne Treppen und schmale Stege ging es mitten durch die imposante Felswand des Flimsersteins. Die Aussicht war grandios – und das nicht nur nach vorne! Wer zwischendurch einen Blick zwischen die Füsse riskierte, bekam die Tiefenwirkung gleich gratis dazu.

Technisch gehört der Pinut zwar eher zur gemütlicheren Sorte Klettersteig, doch die Erbauer hatten offensichtlich jede Menge Fantasie und ein ausgesprochen kreatives Verhältnis zur Schwerkraft. Besonders eindrücklich war ein spektakulärer Durchstich durch die Felswand. Kaum zu glauben, wo man überall einen Weg hindurchbauen kann, wenn man nur genügend Eisen, Werkzeug und eine ordentliche Portion Abenteuerlust besitzt.

Ein strategisch hervorragend platziertes Bänkli lud anschliessend zur ersten Verschnaufpause ein. Schliesslich will die Aussicht auch gebührend bewundert werden!

Als weitere Überraschung wartete sogar eine kleine Hängebrücke zwischen den Bäumen. Ein bisschen Schaukeln gehört schliesslich zu einem gelungenen Ausflug dazu.

Auch die zweite und dritte Felswand meisterten wir mit Bravour. Oben angekommen, durften wir uns gegenseitig zum erfolgreichen Bezwingen des Flimsersteins gratulieren. Alle sieben waren wohlbehalten oben, die Frisuren unter den Helmen ohnehin längst ruiniert und die Stimmung bestens.

Gipfelglück ohne eigentlichen Gipfel – das muss man auch erst einmal schaffen!

Kurz nach dem Ausstieg fanden wir ein sonniges Plätzchen, das geradezu nach einer ausgiebigen Mittagsrast schrie. Die mitgebrachten Köstlichkeiten schmeckten nach der Kletterei gleich doppelt so gut. Dazu gab es Sonne satt und ein Panorama, für das andere viel Geld bezahlen würden. Unser Luxusrestaurant hatte zwar keine Bedienung, dafür aber garantiert die bessere Aussicht.

Frisch gestärkt führte uns der Weiterweg über die Alp Tegia Gronda zum historischen Säumerweg Scala Mola. Dieser wurde bereits um 1645 in den Fels gemeisselt und wird bis heute für die Bewirtschaftung der Alp unterhalten.

Einmal mehr blieb uns nur das Staunen darüber, was unsere Vorfahren mit einfachsten Mitteln geschaffen haben. Keine modernen Maschinen, keine hydraulischen Bohrhämmer und vermutlich auch nicht die optimalsten Arbeitsbedingungen. Dafür jede Menge Muskelkraft, handwerkliches Geschick und Ausdauer. Chapeau!

Über diesen eindrücklichen Weg stiegen wir schliesslich hinunter nach Bargis.

In Bargis blieb glücklicherweise noch genügend Zeit für das, was zu einer gelungenen Bergtour einfach dazugehört: Kaffee, ein kühles Getränk und natürlich ein wohlverdientes Stück Kuchen. Denn bekanntlich ist eine Tour erst dann wirklich abgeschlossen, wenn die verbrauchten Kalorien zumindest teilweise wieder ersetzt sind. 😊

Anschliessend brachte uns das Postauto bequem zurück in tiefere Gefilde und unter die Wolkendecke des Unterlands.

Ein herzliches Dankeschön an Sabina für die mutige Tourenausschreibung, die tolle Organisation und die abwechslungsreiche Route. Und natürlich an alle Mitkletternden für die gute Stimmung, die gemütlichen Gespräche und diesen rundum gelungenen Tag.

Spichi

Teilnehmende: Sabina (TL), Karin, Hanni, Tin, Hans Peter, Claudius, spichi (Bericht)

Eisenbahner Sportverein Rheintal-Walensee

Erwin Noser, Neuwingertstrasse 3, 8458 Dorf
Telefon 079 519 49 23 | E-Mail

 
 

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